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21.05.2026
14:48 Uhr
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Der Mann soll einer proiranischen Terrorgruppe angehören, die sich zu weiteren Taten in Europa bekannt hatte. Wie die Ermittler dem Mann auf die Spur kamen.

Der mutmaßliche Drahtzieher einer europaweiten Anschlagsserie auf israelische Einrichtungen in diesem Frühjahr, darunter das Restaurant „Eclipse“ in München, sitzt in den USA in Haft. Inzwischen haben die US-Strafverfolgungsbehörden Anklage gegen den Mann erhoben, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.
Wie das amerikanische Justizministerium am vorigen Wochenende bekannt gab, sei der 32 Jahre alte Iraker Mohammad Baqer Saad Dawood Al-Saadi in der Türkei festgenommen und anschließend in die USA gebracht worden. Der als Milizionär bezeichnete Al-Saadi soll hinter der proiranischen Terrorgruppierung Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (kurz: Hayi) stehen. Diese ist in diesem Frühjahr erstmals in Erscheinung getreten und hat sich zu diversen Attentaten auf israelische und jüdische Ziele in Europa bekannt, unter anderem den Brandanschlag auf das israelische Lokal im Stadtteil Maxvorstadt am 10. April.
Dabei hatten bislang unbekannte Täter in der Nacht gegen 0.45 Uhr Sprengsätze an Fenstern des Restaurants in der Heßstraße angebracht. Die Detonationen rissen Löcher in zwei Scheiben, eine dritte wurde beschädigt; verletzt wurde dabei niemand – die Gaststätte war zu dieser Zeit bereits geschlossen. Wenige Tage danach tauchte ein Bekennervideo im Internet auf, in dem Hayi die Tat für sich reklamierte. Amerikanische und deutsche Geheimdienste gehen davon aus, dass die Gruppierung den iranischen Revolutionsgarden zumindest nahesteht. Zumal die Taten in den Bekennervideos als Reaktion auf den amerikanisch-israelischen Angriff gegen Iran bezeichnet werden.
Weil beim Anschlag in München von Anfang an der Verdacht auf ein antisemitisches Motiv bestand, hatte die hiesige Generalstaatsanwaltschaft die Federführung der Ermittlungen übernommen. Seinerzeit hieß es, deutsche Sicherheitsbehörden prüften die Authentizität des Videos. Auf SZ-Anfrage wollte sich die Generalstaatsanwaltschaft in dieser Woche nicht zu einem Ergebnis dieser Prüfung äußern. Mit Verweis auf laufende Ermittlungen lehnte ein Sprecher auch eine Stellungnahme zur Festnahme von Al-Saadi ab.
In der 29-seitigen Anklageschrift der US-Behörden wird Al-Saadi die Verwicklung in 18 Aktionen in Europa vorgeworfen, die sich gegen amerikanische, israelische oder jüdische Interessen, Einrichtungen oder Menschen gerichtet haben. Dabei soll Al-Saadi nicht nur andere Personen zu Anschlägen angestiftet haben, sondern diese auch geplant, koordiniert und anschließend in Bekennervideos beworben haben. In dieser Anklageschrift wird auch das Attentat auf das Eclipse in München aufgelistet; die amerikanischen Ermittler hielten das Bekennervideo offensichtlich für authentisch.
Das Video zu diesem Fall war jedenfalls nach dem gleichen Muster aufgebaut und mit dem gleichen Logo versehen wie einige andere; zum Beispiel das zum Attentat, das zwei Tage später auf eine Synagoge in der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje verübt wurde. Für Zeugenhinweise auf die möglichen Täter von München haben die hiesige Generalstaatsanwaltschaft und Polizei 5000 Euro Belohnung ausgelobt.
In Sicherheitskreisen geht man davon aus, dass für die Taten in den jeweiligen Ländern Kriminelle über das Internet angeheuert wurden, die nicht unbedingt ideologisch motiviert seien. Den Angaben der US-Justiz zufolge sind die amerikanischen Ermittler Al-Saadi auf die Spur gekommen, als dieser Anfang April ein vermeintliches Mitglied eines mexikanischen Drogenkartells für Anschläge in den USA gewinnen wollte. Dieser sei jedoch ein Undercover-Agent des FBI gewesen und habe so von möglichen Anschlagszielen in New York City, Los Angeles und Scottsdale (US-Bundesstaat Arizona) erfahren. Den US-Fahndern sei es dann gelungen, Al-Saadi unter einem Vorwand in die Türkei zu locken, wo er von lokalen Polizeikräften festgenommen und amerikanischen Kollegen übergeben worden sei.
Über Al-Saadis Festnahme war in Deutschland zuerst auf der Internetseite „Verschlusssache – Über Spionage, Terrorismus und Sicherheitspolitik“ berichtet worden, die der Journalist Florian Flade betreibt. Flade ist auch Mitglied des Recherche-Netzwerks von Westdeutschem Rundfunk (WDR), Norddeutschem Rundfunk (NDR) und Süddeutscher Zeitung.
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